Musik (nicht nur) auf dem CronenBerg in Zeiten des Corona-Virus

(von Barbara Buntrock, Künstlerische Leiterin und Vorsitzende von Musik auf dem CronenBerg e.V.)

 


Während derzeit überall Konzerte abgesagt werden – so natürlich auch bei uns – werden immer mehr Musiker im Internet kreativ um die Krise zu überbrücken. Dabei entwickeln sich gerade die sozialen Netzwerke zum neuen, interkontinentalen Konzertsaal mit diversen Liveübertragungen von mehr oder weniger professionell umgesetzten Hauskonzerten und musikalischen Videokonferenzen, die man eher in die Kategorie „leichte Unterhaltung“ einordnen würde. Aber: Social Media Webseiten können ab und an auch inspirieren, wenn man Glück hat und jemand aus seinem virtuellen Freundeskreis dort guten Journalismus teilt. So tauchte vor einigen Tagen auf meinem Bildschirm ein Artikel der Los Angeles Times auf, den ein Wuppertaler Musikschaffender auf Facebook geteilt hatte. Der Titel: The lost art of deep listening: Choose an album. Lose the phone. Close your eyes. (Übersetzt: Die verlorene Kunst des tiefen Zuhörens: Wähle ein Album. Lege das Telefon weg. Schließe Deine Augen.) Los Angeles Times

 

Diese wunderbare Art des Musikgenusses ist in den letzten Jahrzehnten durch die Schnelllebigkeit und den Wandel des Musikkonsums durch Streaming (fast) komplett verloren gegangen. Und das ist eine Schande. Denn für den Musiker ist die Produktion eines Albums das Erschaffen eines Kunstwerkes. Der Maler malt sein Bild. Der Schriftsteller schreibt sein Buch. Der Bildhauer… und so weiter. Der Wandel geht teilweise sogar schon so weit, dass man als Musiker gefragt wird, warum man überhaupt noch CDs produziert – sind diese Produktionen doch zeit- und vor allem kostenaufwändig. Denn heutzutage verdient man als Musiker sein Geld auf der Bühne und nicht mehr mit dem Verkauf von Platten. Die goldene Zeit dieser Industrie ist vorbei. Die Kreativität und der Schaffensdrang aber bleiben. Und weil der Musiker sonst eben nichts „zum Anfassen“ produziert, nimmt er weiterhin – und das unter großen finanziellen Einbußen und mit noch größerem Idealismus – Alben auf und lässt CDs pressen, um so sein Kunstwerk in den Händen halten zu können.

 

Aber was hat das Alles mit Musik auf dem CronenBerg zu tun? Natürlich möchten auch wir als Verein die erzwungene Pause mit Musik füllen. So nehmen wir die Idee des oben erwähnten Zeitungsartikels auf und möchten nicht nur unserem Publikum den guten alten CD-Konsum und -Genuss ans Herz legen. Weg von der Kurzweiligkeit des Internets, zurück zum „Slow listening“ und den langlebigen Medien. Passend zu einer Zeit, in der wir dank erzwungener Entschleunigung vielleicht verlorengegangene Dinge wiederentdecken können.

Deshalb stellen wir ab sofort hier auf dieser Webseite und auf unserer » Facebook-Seite jede Woche eine CD eines Musikers oder Ensembles vor, der/die in den letzten Jahren in unserer Konzertreihe zu Gast waren. Für solidarische "Covid-19",- Euro (Versand inklusive) kann dann das jeweilige Album per Email an musikaufdemcronenberg@web.de bestellt werden. Versand und Rechnungstellung erfolgen direkt durch die jeweiligen Künstler.

 

Natürlich werden wir in der nach-Corona-Zukunft weiterhin Kammerkonzerte auf „der“ Wuppertaler Südhöhe veranstalten (und nicht zum CD-Handel konvertieren). Bis dahin müssen wir auf das "Live”, jedoch nicht auf die Musik verzichten. Denn auch wenn ein Konzert unersetzbar ist, so lässt sich in Musik mindestens ebenso wunderbar zu Hause auf dem Sofa eintauchen, wo man sich ohne den visuellen Reiz des Geschehens auf der Bühne voll und ganz auf das Hören konzentrieren kann.

 

(Ab dem 06. April können die CDs der Musik auf dem CronenBerg HOME EDITION per Email an musikaufdemcronenberg@web.de bestellt werden. Versand und Rechnungstellung erfolgen direkt durch die jeweiligen Künstler.)